Narzissmus – Ein inflationärer Begriff wissenschaftlich erklärt

Der Blogbeitrag behandelt das Thema Narzissmus, geht auf die verschiedenen Formen ein, gibt Hinweise zur Entstehung, Riskofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten. Erkennungsmerkmale, Tipps zum Umgang mit Narzissten und die Art wie Narzissten Liebe zeigen werden ebenfalls thematisiert. Es wird ein kurzer Überblick über aktuelle Studienergebnisse gegeben.

Inhalt

Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung, die durch ein tiefgreifendes Muster von Großartigkeit (in Fantasie oder Verhalten), Bedürfnis nach Bewunderung und Mangel an Empathie gekennzeichnet ist (SCID-5-PD). Es gibt verschiedene Formen des Narzissmus, die unterschiedliche Merkmale und Auswirkungen auf das Umfeld haben. Narzissmus ist auch eine der wenigen Störungen, wo der Leidensdruck im Umfeld der/des Betroffenen größer sein kann als der der Betroffenen selbst. (Eine weitere Störung mit diesem Merkmal ist beispielsweise die bipolare affektive Störung. (F31))  Der Begriff Narzissmus, geht auf den griechischen Mythos von Narcissus zurück. Narcissus war ein schöner Jüngling, der sich in sein Spiegelbild verliebte und letztendlich daran zugrunde ging.

Narzissmus kann in gesunden und pathologischen Narzissmus unterteilt werden.

  • Gesunder Narzissmus bezieht sich auf ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.
  • Pathologischer Narzissmus hingegen bezieht sich auf eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine übermäßige Selbstliebe, ein übersteigertes Selbstbewusstsein und ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber anderen gekennzeichnet ist.

Welche Formen des pathologischen Narzissmus gibt es?

Es gibt verschiedene Formen des Narzissmus, die unterschiedliche Merkmale und Auswirkungen haben. Die beiden häufigsten sind vulnerabler und maligner Narzissmus.

Vulnerabler Narzissmus 

Vulnerabler Narzissmus, auch bekannt als sensitiver oder introvertierter Narzissmus, ist eine Form des Narzissmus, bei der das Individuum zwar eine übermäßige Selbstliebe und ein übersteigertes Selbstbewusstsein hat, aber gleichzeitig empfindlicher und emotionaler ist als andere Narzissten. Menschen mit vulnerablem Narzissmus neigen dazu, sich auf ihre Gefühle zu konzentrieren und können aufgrund ihrer emotionalen Sensibilität oft leicht verletzt werden. Diese Art des Narzissmus ist etwas schwerer zu diagnostizieren, da sie nicht unbedingt dem typischen Bild eines Narzissten entspricht, und tritt häufiger bei Frauen auf.

  • Ursachen und Risikofaktoren: Vulnerabler Narzissmus kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, beispielsweise unsichere Bindungserfahrungen mit primären Bezugspersonen oder emotionale Vernachlässigung/Missbrauch in der Kindheit. Menschen, die unter vulnerablen Narzissmus leiden, fühlen sich oft unverstanden und ungeliebt, was zu sozialem Rückzug führen kann.
  • Behandlungsmöglichkeiten: Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für vulnerablen Narzissmus, darunter Psychotherapie und kognitive Verhaltenstherapie. Die Therapie konzentriert sich darauf, die negativen Überzeugungen und Verhaltensweisen zu verändern, die zum Narzissmus beitragen, und dem Individuum dabei zu helfen, gesündere Beziehungen aufzubauen.

Maligner Narzissmus

Maligner Narzissmus, auch bekannt als grandioser oder extravertierter Narzissmus, ist eine Form des Narzissmus, die durch übertriebenes Selbstbewusstsein, ein Gefühl der Überlegenheit und Arroganz, sowie durch eine Tendenz zur Manipulation und dem Bedürfnis nach Bewunderung gekennzeichnet ist. Menschen mit malignem Narzissmus können andere ausnutzen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, und haben oft Schwierigkeiten, sich in die Perspektive anderer hineinzuversetzen.

  • Ursachen und Risikofaktoren: Maligner Narzissmus kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, beispielsweise eine Kindheit, in der das Individuum übermäßig gelobt wurde und immer im Mittelpunkt stand. Auch Traumata und negative Erfahrungen, sowie ungesunde Beziehungen können zur Entwicklung von malignem Narzissmus beitragen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht jeder, der diese Erfahrungen gemacht hat, automatisch an Narzissmus leidet.
  • Behandlungsmöglichkeiten: Maligner Narzissmus ist oft schwieriger zu behandeln als vulnerabler Narzissmus. Auch hier können Psychotherapie und kognitive Verhaltenstherapie dabei helfen, negative Überzeugungen und Verhaltensweisen zu verändern, die zum Narzissmus beitragen. Bei einigen Menschen mit malignem Narzissmus können auch Medikamente zur Behandlung von Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen oder Angstzustände) eingesetzt werden.

Andere Formen des Narzissmus

Neben vulnerablen und malignen Narzissmus gibt es auch noch weitere Formen des Narzissmus, wie zum Beispiel den amourösen Narzissmus, bei dem das Individuum seine Energie darauf konzentriert, andere zu verführen und zu erobern. Der fanatische Narzissmus hingegen bezieht sich auf eine Form des Narzissmus, bei der das Individuum eine extreme Begeisterung für eine Sache oder eine Ideologie hat, und alles tut, um diese zu verteidigen und zu fördern.

Dann gibt es auch noch den kollektiven Narzissmus. Hierbei handelt es sich um eine Form des Narzissmus, die sich nicht auf Einzelpersonen, sondern auf Gruppen oder Nationen bezieht. Ein Beispiel für kollektiven Narzissmus ist der Nationalismus. In dieser Form des Narzissmus wird das eigene Volk / die eigene Kultur aufgewertet und andere Kulturen / Völker abgewertet. Kollektiver Narzissmus konnte beispielsweise auch bei Fußballfans oder Mitgliedern einer Religionsgemeinschaft nachgewiesen werden.

Umgang mit Narzissten

Um mit einem Narzissten umzugehen, ist es wichtig, die Art des Narzissmus zu kennen. Menschen mit grandiosem Narzissmus können oft sehr manipulativ sein und versuchen, andere für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Es ist daher wichtig, gegenüber solchen Menschen klare Grenzen zu setzen. Bei Menschen mit vulnerablem Narzissmus sollte man sensibel sein und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Es kann hilfreich sein, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen und dem Betroffenen gegenüber Wertschätzung zu zeigen. Beim kollektiven Narzissmus ist es wichtig, auf ein respektvolles Miteinander zu achten und Vorurteile abzubauen.

Wie erkennt man Narzissten?

  1. Selbstzentriertheit: Narzisstische Personen neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche über die von anderen zu stellen. Sie können ebenfalls dazu neigen, die Gespräche auf sich selbst zu lenken und sich in den Mittelpunkt zu stellen.
  2. Bedürfnis nach Bewunderung: Narzisstische Personen haben ein starkes Verlangen nach Bewunderung und Bestätigung von anderen. Sie können oft übertriebene Ansprüche an ihre Leistungen und Fähigkeiten stellen und sich damit brüsten.
  3. Empathie Mangel: Narzisstische Personen haben oft Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen und Empathie zu zeigen. Sie fokussieren ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen und ignorieren die Bedürfnisse anderer.
  4. Übertriebene Wut oder Aggressivität: Narzisstische Personen können sich schnell angegriffen oder beleidigt fühlen und haben oft eine übertriebene Reaktion auf Kritik oder Ablehnung. Sie können auch aggressiv und manipulativ sein, um ihre Ziele zu erreichen.
  5. Grandiosität: Narzisstische Personen können übertriebene Ansprüche an ihre Fähigkeiten und Leistungen haben und sich als überlegen gegenüber anderen sehen. Sie können auch eine übertriebene Vorstellung von ihrer eigenen Bedeutung und ihrem Einfluss haben.

Wie zeigt ein Narzisst Liebe?

Narzissten haben oft Schwierigkeiten, Liebe auf eine gesunde und ausgewogene Weise zu zeigen. Ihre Bedürfnisse nach Bewunderung und Anerkennung können ihre Fähigkeit beeinträchtigen, tatsächliche Liebe zu empfinden/zeigen.

Ein Narzisst würde möglicherweise versuchen, Liebe zu zeigen, indem er seinem/r PartnerIn teure Geschenke gibt oder sich auf andere Weise auf eine extravagante Weise darstellt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Gesten oft mehr dazu dienen, die eigene Selbstwahrnehmung und das öffentliche Image zu stärken, als dass sie tatsächlich aus Liebe oder Zuneigung stammen.

In Beziehungen können Narzissten auch dazu neigen, ihre PartnerInnen kontrollieren zu wollen oder sie auf unangemessene Weise zu kritisieren, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu steigern. Sie können sich auch ungeduldig und unverständlich verhalten, wenn sie nicht die gewünschte Aufmerksamkeit oder Bewunderung erhalten.

Es ist wichtig zu betonen, dass es auch Narzissten, gibt, die in der Lage sind, Liebe auf eine gesunde und ausgewogene Weise zu zeigen. Einflussfaktoren sind beispielsweise die Persönlichkeit, Umstände und die jeweilige Beziehung.

Welche Sätze sagen Narzissten?

Es gibt bestimmte Sprachmuster und Sätze, die Narzissten typischerweise verwenden. Einige Studien haben gezeigt, dass sie tendenziell:

  1. Sich selbst in einem übermäßig positiven Licht darstellen, indem sie beispielsweise über ihre Erfolge, Talente oder Errungenschaften sprechen, um Bewunderung und Anerkennung zu erlangen.
  2. Andere herabsetzen oder kritisieren, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu steigern oder um sich selbst als überlegen darzustellen.
  3. Ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse überbetonen, während sie die Emotionen und Bedürfnisse Anderer herunterspielen oder ignorieren.
  4. Andere in einer Art und Weise manipulieren, die ihren eigenen Interessen dient, wie beispielsweise durch Lügen oder durch das Versprechen von Dingen, die sie nicht halten können oder wollen.
  5. Sich auf bestimmte Themen konzentrieren, die ihre Selbstwahrnehmung und ihr Selbstwertgefühl stärken, wie beispielsweise ihre Intelligenz, ihr Aussehen oder ihre sozialen Kontakte.

Diese Sprachmuster sollten nicht als einzige Indikatoren betrachtet werden. Es gibt viele weitere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, um eine Persönlichkeitsstörung wie Narzissmus zu diagnostizieren, und eine gründliche psychologische Beurteilung ist in der Regel erforderlich.

Einige aktuelle Studienergebnisse:

  1. Narzissmus geht mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für feindselige und aggressive Verhaltensweisen einher (Rhodewalt et al., 2001, Zeitschrift „Journal of Personality and Social Psychology“).
  2. Narzisstische Personen sind tendenziell weniger vertrauenswürdig und engagiert und neigen eher dazu, untreu zu sein (Jonason & Webster, 2010, Zeitschrift: „Personality and Individual Differences“).
  3. Narzissmus geht mit einem hohen Selbstwertgefühl einher, aber auch mit einem niedrigen Selbstwertgefühl in bestimmten Bereichen (wie zwischenmenschlichen Beziehungen) (Rose et al., 2002, „Journal of Personality and Social Psychology“).
  4. Narzissmus geht mit einem niedrigeren Maß an Empathie und einem höheren Maß an Egozentrik einher (Reinhard et al., 2013, Zeitschrift „Psychological Science“).
  5. Narzisstische Personen neigen dazu, aggressiver zu sein und ihre Aggressionen häufiger auszuleben als nicht-narzisstische Personen (Bushman et al., 2009, „Journal of Research in Personality“).
  6. Untersuchung der Beziehung zwischen Narzissmus und Empathie über einen Zeitraum von 30 Jahren: Narzissmus hat im Laufe der Zeit zugenommen und diese Zunahme geht mit einem Rückgang von Empathie einher (Konrath et al., 2014, „Personality and Social Psychology Review“).

 

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