Behandlungsfeld
ICD-10 · F40.00
Platzangst
Angst vor Menschenmengen
Öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen oder Wege fern von zu Hause können mit starker Angst und zunehmender Vermeidung verbunden sein – das ist weder persönliche Schwäche noch eigenes Verschulden. Eine fundierte Einordnung kann helfen, die Belastung besser zu verstehen und mögliche nächste Schritte in Ruhe zu betrachten.
Bei Freiraum behandeln wir Agoraphobie mit Verhaltenstherapie – strukturiert, persönlich und in Ihrem Tempo.
Bei Freiraum
Verhaltenstherapie
Approbierte Therapeut:innen
Friedrichshain oder online
Fachlich geprüft
Agoraphobie bezeichnet ausgeprägte Angst vor Situationen, in denen Flucht oder erreichbare Hilfe unsicher erscheinen.
Typisch sind Erwartungsangst, körperliche Alarmreaktionen, Vermeidung und ein zunehmend eingeschränkter Bewegungsradius.
Biologische Anfälligkeit, Lernerfahrungen und Belastungen können zusammenwirken; Unterstützung ist bei anhaltenden Einschränkungen sinnvoll.
Kognitive Verhaltenstherapie mit schrittweisen Expositionsübungen gehört zu den leitliniennahen Behandlungsmöglichkeiten und kann neue Sicherheitserfahrungen ermöglichen.
Im Mittelpunkt steht ausgeprägte Angst vor mehreren Situationen, in denen Flucht oder Hilfe als schwierig verfügbar eingeschätzt werden. Das Erleben kann von Erwartungsangst bis zu Panik reichen und sollte stets im Gesamtzusammenhang fachlich eingeordnet werden.
Wie sich Agoraphobie anfühlen kann
Nina ist 38 Jahre alt, arbeitet in einer Steuerkanzlei und wirkt nach außen zuverlässig und gut organisiert. Seit ihr in einer vollen U-Bahn plötzlich schwindelig wurde, prüft sie vor jeder Fahrt Haltestellen, Ausgänge und mögliche Alternativen. Schon beim Gedanken an einen überfüllten Bahnsteig spürt sie Herzklopfen und denkt: „Wenn es wieder passiert, komme ich hier nicht weg.“ Zunächst fährt sie nur außerhalb der Stoßzeiten, später bittet sie ihren Partner um Begleitung und nimmt schließlich selbst für längere Wege das Auto. Die Erleichterung nach jeder vermiedenen Fahrt ist groß, doch ihr Bewegungsradius wird kleiner: Treffen sagt sie kurzfristig ab, berufliche Termine legt sie möglichst in die Nähe und spontane Ausflüge erscheinen kaum noch machbar. Als sie die Geburtstagsfeier einer engen Freundin verpasst, merkt sie, wie sehr die Angst ihren Alltag bestimmt, und spricht erstmals offen mit ihrem Partner über professionelle Unterstützung.
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung – Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
Zu Beginn werden Belastungen, Auslöser, körperliche Reaktionen, Bewertungen und Vermeidungsstrategien gemeinsam eingeordnet. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei Panikstörung und Agoraphobie insbesondere kognitive Verhaltenstherapie; Expositionsübungen bilden bei agoraphobischer Vermeidung einen wichtigen Bestandteil. Abhängig von Vorgeschichte, Begleiterkrankungen und persönlichen Präferenzen können weitere psychotherapeutische oder ärztlich begleitete Ansätze infrage kommen. Auswahl, Reihenfolge und Tempo werden gemeinsam festgelegt.
Bei uns
Ihre Psychotherapeut:innen
Ein orientierender Selbsttest kann Ihnen helfen, Ängste, Vermeidung und Einschränkungen bewusster wahrzunehmen. Er ersetzt keine fachliche Diagnose, kann aber eine erste Grundlage für ein persönliches Gespräch bieten.
Der Test ersetzt keine Diagnose – eine verlässliche Einschätzung ist nur im persönlichen Gespräch möglich.
Agoraphobie ist eine Angststörung, bei der mehrere Situationen als bedrohlich erlebt werden, weil eine Flucht schwierig erscheinen oder Hilfe möglicherweise nicht erreichbar sein könnte. Dazu können öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen, offene oder geschlossene öffentliche Orte und Wege außerhalb des Hauses gehören. Anders als ein nachvollziehbares Unbehagen in einer sehr vollen Bahn ist die Angst deutlich ausgeprägt, tritt wiederholt auf und kann den Alltag erheblich einschränken. Panikattacken können auftreten, sind für eine Agoraphobie jedoch nicht zwingend erforderlich. In der ICD-10-GM wird sie unter F40.0 geführt und nach Agoraphobie ohne beziehungsweise mit Panikstörung unterschieden; in der ICD-11 ist sie eine eigenständige Angststörung unter 6B02. Eine fachgerechte Diagnose berücksichtigt das gesamte Erleben, die Beeinträchtigung und mögliche andere Erklärungen. Agoraphobie ist psychotherapeutisch behandelbar, wobei der passende Weg individuell abgestimmt wird.
Unbehagen in vollen Bahnen oder Menschenmengen kennen viele Menschen. Von einer Agoraphobie wird gesprochen, wenn die Angst vor mehreren solcher Situationen deutlich ausgeprägt ist, anhält und zu Vermeidung oder spürbaren Einschränkungen führt.
Agoraphobie ist die fachliche Diagnosebezeichnung; Platzangst wird häufig alltagssprachlich verwendet, beschreibt die Störung aber nur unvollständig. Weitere Begriffe bezeichnen Varianten oder eigenständige verwandte Störungen.
Platzangst
Angst vor Menschenmengen
Multiple Situationsphobie
mit Panikstörung
ohne Panikstörung
Codes dienen der einheitlichen Dokumentation. Welche Zuordnung passt, wird im diagnostischen Gespräch geklärt, insbesondere ob zusätzlich eine Panikstörung besteht.
ICD-10-GM:
F40.00
ICD-10-GM:
F40.01
ICD-11:
6B02
DSM-5:
300.22
Tritt häufig zusammen auf mit:
Panikstörung
Depressiven Störungen
Sozialer Angststörung
Spezifischen Phobien
Generalisierter Angststörung
Substanzbezogenen Störungen
Auf einen Blick: Die Fakten
0,9 von 100
In einer US-amerikanischen Repräsentativerhebung erfüllten schätzungsweise 0,9 % der Erwachsenen innerhalb eines Jahres die Kriterien einer Agoraphobie. Die Zahl lässt sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland oder andere Klassifikationssysteme übertragen.
Unterschiedliche Beeinträchtigung
Unter den US-Erwachsenen mit Agoraphobie im vergangenen Jahr wurden 40,6 % als schwer, 30,7 % als mittelgradig und 28,7 % als leicht beeinträchtigt eingeordnet.
ICD-10-GM: F40.0
Die deutsche ICD-10-GM unterscheidet Agoraphobie ohne Angabe einer Panikstörung (F40.00) und mit Panikstörung (F40.01). In der ICD-11 wird Agoraphobie eigenständig als 6B02 klassifiziert.
Nicht an Panik gebunden
Epidemiologische Untersuchungen bestätigen, dass Agoraphobie auch ohne frühere Panikattacken vorkommen kann. Panikstörung und Agoraphobie werden deshalb in neueren Klassifikationen getrennt erfasst.
Meist gibt es nicht die eine Ursache. Biologische Anfälligkeit, persönliche Lernerfahrungen und aktuelle Belastungen können zusammenwirken; Vermeidung und Sicherheitsverhalten können die Angst später zusätzlich aufrechterhalten. Eine Agoraphobie ist weder Schuld noch Ausdruck mangelnder Willenskraft.
Eine als schwer verlassbar empfundene Situation kann bedrohlich bewertet werden: „Ich komme nicht weg oder erhalte keine Hilfe.“ Dadurch nehmen Angst und körperliche Alarmzeichen zu. Verlassen Sie die Situation, suchen Sie Begleitung oder kontrollieren Sie ständig den Fluchtweg, sinkt die Angst häufig kurzfristig. Das Sicherheitsverhalten erscheint deshalb zunächst hilfreich. Im lerntheoretisch-kognitiven Vermeidungskreislauf verstärkt diese Entlastung jedoch langfristig die Vermeidung: Neue Erfahrungen, dass Angst aushaltbar ist und von selbst nachlassen kann, bleiben aus. In einer Therapie können solche Bewertungen und Reaktionen gemeinsam verstanden und durch geplante, schrittweise Übungen überprüft werden. Das Tempo richtet sich nach Ihrer Situation und wird nicht erzwungen.
Ablauf
Ein klar strukturierter Prozess, der Orientierung und Sicherheit gibt.
1
Kontaktaufnahme
Sie kontaktieren uns oder buchen einen ersten Termin online.
2
Erstgespräch
Wir lernen uns kennen und besprechen Ihr Anliegen und das weitere Vorgehen.
3
Therapiestart
Wir lernen Ihre Situation genauer kennen, klären Ziele und planen gemeinsam die Behandlung.
4
Behandlungsbeginn
Die Behandlung folgt einem roten Faden mit bewährten Methoden.
Kosten und Kostenträger
Selbstzahler, private Versicherung, Beihilfe …
Es gibt keinen „richtigen“ Schweregrad, ab dem man Unterstützung suchen darf. Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
Die Angst oder Erwartungsangst hält über längere Zeit an oder nimmt weiter zu.
Sie vermeiden Verkehrsmittel, Menschenmengen, öffentliche Orte oder Wege fern von zu Hause.
Unternehmungen sind nur noch mit Begleitung oder umfangreicher Vorbereitung möglich.
Arbeit, Ausbildung, Beziehungen oder Freizeit werden durch die Angst eingeschränkt.
Ihr Bewegungsradius wird kleiner oder wichtige Termine fallen aus.
Sie haben das Gefühl, mit bisherigen Bewältigungsversuchen allein nicht weiterzukommen.
Wenn es gerade nicht warten kann
Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Unterstützung – Sie müssen damit nicht allein bleiben:
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
(rund um die Uhr, kostenfrei)
Krisendienst
www.berliner-krisendienst.de
Im Notfall
Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
FAQs
Können körperliche Beschwerden zunächst medizinisch abgeklärt werden?
Ja. Besonders neu aufgetretene, ungewöhnliche oder nicht eindeutig einzuordnende Beschwerden sollten ärztlich beurteilt werden. Psychotherapeutische und medizinische Abklärung können sich ergänzen.
Welche Rolle können Medikamente spielen?
Medikamente können bei Angststörungen je nach individueller Situation eine Behandlungsoption sein, ersetzen aber keine persönliche ärztliche Beratung. Nutzen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Behandlungsdauer sollten ärztlich besprochen werden; eine eigenständige Einnahme oder Veränderung ist nicht ratsam.
Ist eine psychotherapeutische Behandlung auch online möglich?
Ja, wir bieten Gespräche und Übungen auch per Video an. Bei Expositionsübungen, Krisen oder komplexen Begleiterkrankungen klären wir gemeinsam, welches Setting angemessen ist – gerade Übungen in angstbesetzten Situationen finden oft direkt im Alltag statt.
Wie können Angehörige unterstützen?
Hilfreich sind Verständnis, Ermutigung und verlässliche Absprachen, ohne jede angstauslösende Situation dauerhaft für die betroffene Person zu vermeiden. Angehörige können nachfragen, welche Unterstützung erwünscht ist, und dabei auch die eigenen Grenzen beachten.
Muss ich in der Therapie sofort meine schwierigste Situation bewältigen?
Nein. Übungen werden vorbereitet, schrittweise geplant und an die individuelle Belastbarkeit angepasst. Ziel ist eine tragfähige Zusammenarbeit, nicht Überforderung oder eine unvorbereitete Konfrontation.
Fachlich geprüft von
Nicolas Sander
Fachkundenachweis Verhaltenstherapie
Approbiert nach § 1 PsychThG
Psychologischer Psychotherapeut
Zuletzt geprüft 08.07.26
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