Das wichtigste auf einen Blick
Eine Depression ist mehr als vorübergehende Traurigkeit und kann Denken, Fühlen, Antrieb sowie den gesamten Alltag beeinträchtigen.
Anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und verminderter Antrieb können je nach Person unterschiedlich ausgeprägt sein.
Meist wirken biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen; Unterstützung ist bei anhaltendem Leidensdruck sinnvoll.
Psychotherapie, Medikamente oder ihre Kombination können je nach Ausprägung gemeinsam geplant und individuell angepasst werden.
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Was ist eine Depression?
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der gedrückte Stimmung, Interessenverlust und verminderter Antrieb über längere Zeit das Erleben und den Alltag prägen. Häufig fällt es schwer, Freude zu empfinden, Entscheidungen zu treffen oder gewohnte Aufgaben zu bewältigen. Anders als vorübergehende Traurigkeit klingt eine depressive Episode nicht zuverlässig durch Ablenkung oder erfreuliche Ereignisse ab. Sie kann Denken, Gefühle, Körper und soziale Beziehungen zugleich beeinflussen. Von einer bipolaren Störung, Trauerreaktionen und körperlich bedingten Beschwerden muss sie fachlich abgegrenzt werden. Die folgenden Bereiche erläutern Abgrenzung, Schweregrade, Bezeichnungen und Klassifikation genauer. Depressionen sind grundsätzlich behandelbar; welche Unterstützung passend ist, richtet sich nach der individuellen Situation.
Abgrenzung und Schweregrade bei Depressionen
Nicht jede Phase von Traurigkeit, Erschöpfung oder geringer Motivation ist eine Depression. Für die fachliche Einordnung werden Dauer, Anzahl und Ausprägung der Beschwerden sowie ihre Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität gemeinsam betrachtet.
Synonyme und Bezeichnungen für Depressionen
Depression, depressive Störung und depressive Episode sind die gebräuchlichsten Bezeichnungen; auch Major Depression und unipolare Depression werden verwendet. Der folgende Überblick ordnet ihre Bedeutung, Unterschiede und Verlaufsformen genauer ein.
Depressive Störung
Depressive Episode
Unipolare Depression
Major Depression
Rezidivierende depressive Störung
Codes und Klassifikation bei Depressionen
Diagnostische Codes ermöglichen eine einheitliche Dokumentation, bilden aber nicht das gesamte persönliche Erleben ab. Welcher Code, Verlauf und Schweregrad zutrifft, kann nur durch eine fachliche Diagnostik und unter Berücksichtigung möglicher anderer Ursachen bestimmt werden.
ICD-10-GM:
F32.-
ICD-10-GM:
F33.-
ICD-11:
6A70
ICD-11:
6A71
DSM-5:
296.2x
DSM-5:
296.3x
Tritt häufig zusammen auf mit:
Angststörungen
Alkoholbezogenen Störungen
Essstörungen
Posttraumatischen Belastungsstörungen
Persönlichkeitsstörungen
Somatischen Belastungsstörungen
Auf einen Blick: Die Fakten
≈ 8 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres betroffen
In der deutschen DEGS-Erhebung erfüllten 8,2 % der Erwachsenen innerhalb von zwölf Monaten die Kriterien einer unipolaren Depression.
16–20 % Lebenszeitrisiko
Nationale und internationale Untersuchungen schätzen das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, auf 16 bis 20 %.
Frauen etwa doppelt so häufig betroffen
Bevölkerungsstudien zeigen bei Frauen eine ungefähr doppelt so hohe Erkrankungshäufigkeit wie bei Männern. Unterschiede im Erkennen und im Inanspruchnahmeverhalten können die beobachteten Raten mitbeeinflussen.
Häufig ein wiederkehrender Verlauf und weitere Erkrankungen
Nach einer ersten depressiven Episode tritt laut Versorgungsleitlinie bei etwa 40 bis 60 % der Betroffenen ein Rückfall oder eine weitere Episode auf. Der individuelle Verlauf kann davon deutlich abweichen. Und in DEGS1-MH bestand bei 60,7 % der Menschen mit unipolarer Depression innerhalb desselben Zwölfmonatszeitraums mindestens eine weitere psychische Störung. Besonders häufig wurden Angst-, Panik- und substanzbezogene Störungen erfasst.
Woran erkennt man eine Depression?
Typisch ist eine anhaltende Veränderung von Stimmung, Interesse und Antrieb, die über einzelne schlechte Tage hinausgeht. Welche Merkmale im Vordergrund stehen und wie sichtbar sie nach außen werden, kann sich von Person zu Person deutlich unterscheiden.
Im Denken
Im Fühlen
Im Verhalten und Körper
Wie sich eine Depression anfühlen kann
Miriam, 38, arbeitet als technische Zeichnerin und lebt mit ihrem Partner in einer kleinen Stadt. Im Büro wirkt sie zuverlässig, beantwortet E-Mails und lächelt, wenn Kolleginnen sie ansprechen. Innerlich braucht jedoch schon das Aufstehen große Überwindung; auf dem Arbeitsweg denkt sie, dass sie ohnehin alles falsch machen werde. Nach Feierabend sagt sie Verabredungen ab, weil Gespräche zu anstrengend erscheinen, und legt sich erschöpft aufs Sofa. Der Rückzug entlastet sie für einen Moment, doch abends grübelt sie darüber, nichts geschafft und ihre Freunde enttäuscht zu haben. Sie schläft unruhig, kann sich schlechter konzentrieren und benötigt für vertraute Aufgaben immer länger. Auch am Wochenende empfindet sie kaum Vorfreude. Als ihr Partner vorsichtig anspricht, wie still und kraftlos sie geworden ist, merkt Miriam, dass die Belastung nicht mehr nur eine vorübergehende Phase ist. Gemeinsam sucht sie nach einer fachlichen Anlaufstelle.
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung – Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
Wie entsteht eine Depression?
Für eine Depression gibt es meist nicht die eine Ursache. Häufig wirken individuelle Anfälligkeit, Lernerfahrungen, körperliche Prozesse und aktuelle oder länger anhaltende Belastungen zusammen. Welche Faktoren beteiligt sind, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch; weder Schuld noch mangelnde Willenskraft erklären die Erkrankung.
Der Kreislauf aus Rückzug und Verstärkerverlust
Niedergeschlagenheit und Erschöpfung führen häufig dazu, dass Aufgaben, Kontakte und angenehme Aktivitäten zurückgestellt werden. Das kann kurzfristig entlasten, weil Anforderungen wegfallen. Langfristig gehen dadurch jedoch Tagesstruktur, Erfolgserlebnisse, soziale Nähe und andere positive Erfahrungen verloren. Gedanken wie „Ich schaffe nichts“ wirken immer glaubhafter, die Stimmung sinkt weiter und erneuter Rückzug erscheint naheliegend. Die Verhaltensaktivierung beschreibt diesen Zusammenhang als Kreislauf aus verminderter Aktivität und abnehmender positiver Verstärkung. Geplante, überschaubare Aktivitäten können an mehreren Stellen ansetzen: nicht als Aufforderung, sich einfach zusammenzureißen, sondern als gemeinsam abgestimmte Schritte. Dabei wird beobachtet, welche Handlungen Struktur, Sinn, Kontakt oder ein Gefühl von Bewältigung ermöglichen.
Selbsttest für Depression
Der wissenschaftlich untersuchte PHQ‑9 erfasst neun typische depressive Beschwerden und kann eine erste Orientierung geben. Das Ergebnis ersetzt keine fachliche Diagnostik und sollte im Zusammenhang mit der persönlichen Situation eingeordnet werden.
Der Test ersetzt keine Diagnose – eine verlässliche Einschätzung ist nur im persönlichen Gespräch möglich.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Es gibt keinen „richtigen“ Schweregrad, ab dem man Unterstützung suchen darf. Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Unterstützung – Sie müssen damit nicht allein bleiben:
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
(rund um die Uhr, kostenfrei)
Krisendienst
www.berliner-krisendienst.de
im Notfall
Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
Zu Beginn werden Beschwerden, Belastungen, Ressourcen, körperliche Einflussfaktoren und mögliche Begleiterkrankungen gemeinsam eingeordnet. Je nach Schweregrad, Verlauf und persönlichen Präferenzen kommen Psychotherapie, medikamentöse Behandlung oder eine Kombination infrage. Auswahl, Reihenfolge und Tempo werden gemeinsam festgelegt und im Verlauf überprüft.
Ablauf
So läuft der Start ab
Ein klar strukturierter Prozess, der Orientierung und Sicherheit gibt.
FAQs
Häufige Fragen rund um das Themengebiet und die Therapie
Fachlich geprüft von
Nicolas Sander
Fachkundenachweis Verhaltenstherapie
Approbiert nach § 1 PsychThG
Psychologischer Psychotherapeut
Zuletzt geprüft 08.07.26
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