Das wichtigste auf einen Blick
Die hypochondrische Störung bezeichnet eine anhaltende Krankheitsangst, die deutlich über nachvollziehbare vorübergehende Gesundheitssorgen hinausgeht.
Betroffene beobachten ihren Körper häufig intensiv, deuten Empfindungen bedrohlich und suchen wiederholt nach Sicherheit.
Biologische Anfälligkeit, Erfahrungen und aktuelle Belastungen können zusammenwirken; Unterstützung ist bei anhaltendem Leidensdruck sinnvoll.
Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, Krankheitsdeutungen und Sicherheitsverhalten schrittweise zu verändern und wieder mehr Handlungsspielraum zu gewinnen.
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Was ist eine hypochondrischer Störung?
Bei ausgeprägter Krankheitsangst beschäftigen sich Menschen anhaltend mit der Befürchtung, schwer erkrankt zu sein oder zu werden. Körperempfindungen werden dabei häufig aufmerksam überwacht und als Hinweis auf eine Erkrankung gedeutet. Verantwortungsvolle Gesundheitsvorsorge und zeitweise Sorge bei ungeklärten Beschwerden sind normal. Krankheitsangst wird behandlungsrelevant, wenn Befürchtungen, Kontrollen oder Vermeidung das Leben wesentlich bestimmen. Die folgenden Bereiche erläutern Abgrenzung und unterschiedliche Bezeichnungen. Psychotherapeutische Unterstützung kann helfen, den Angstkreislauf zu verändern.
Abgrenzung und Schweregrade bei einer hypochondrischen Störung
Sorge um die eigene Gesundheit ist nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend sind Dauer, Intensität, gedankliche Vereinnahmung und ein wiederkehrender Kreislauf aus Selbstbeobachtung, Recherche, Rückversicherung oder medizinischer Vermeidung.
Synonyme und Bezeichnungen für eine hypochondrische Störung
Krankheitsangst, Krankheitsangststörung und Hypochondrie werden häufig verwendet. Der folgende Überblick zeigt, wie ältere und aktuelle Klassifikationen das Phänomen unterschiedlich benennen und inhaltlich gliedern.
Krankheitsangst
Krankheitsangststörung
Gesundheitsangst
Illness Anxiety Disorder
Codes und Klassifikation bei hypochondrischer Störung
Die Klassifikationssysteme bilden Krankheitsangst unterschiedlich ab. Deshalb sind ihre Bezeichnungen nicht vollständig austauschbar und verlangen eine sorgfältige diagnostische Zuordnung.
ICD-10-GM:
F45.2
ICD-11:
6B23
DSM-5:
300.7
Tritt häufig zusammen auf mit:
Depressiven Störungen
Generalisierter Angststörung
Panikstörung
Agoraphobie
Zwangsstörung
- Somatischen Belastungsstörungen
Auf einen Blick: Die Fakten
Mehr als gewöhnliche Gesundheitssorge
Kennzeichnend ist eine anhaltende gedankliche Beschäftigung mit einer befürchteten Erkrankung und nicht bloß gelegentliche Besorgnis.
Körperliche Symptome können gering sein
Bei der Krankheitsangst steht die Krankheitsbefürchtung im Vordergrund; starke Körperbeschwerden sind nicht zwingend erforderlich.
Unterschiedliche Verhaltensmuster
Manche Betroffene suchen häufig Rückversicherung, andere vermeiden Untersuchungen aus Angst vor einem möglichen Befund.
Klassifikationen wurden neu geordnet
ICD-10-GM, ICD-11 und DSM-5 verwenden unterschiedliche Obergruppen und teilen frühere Hypochondrie-Konzepte neu auf.
Woran erkennt man eine hypochondrische Störung?
Kennzeichnend ist eine anhaltende Beschäftigung mit der Möglichkeit einer schweren Erkrankung, häufig verbunden mit einer bedrohlichen Deutung körperlicher Wahrnehmungen. Wie stark Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen ausgeprägt sind, unterscheidet sich von Person zu Person.
Im Denken
Im Fühlen
Im Verhalten und Körper
Wie sich eine hypochondrische Störung anfühlen kann
Daniel, 38, arbeitet im Einkauf eines mittelständischen Betriebs und gilt bei seinen Kolleginnen und Kollegen als zuverlässig und besonnen. Seit er beim Treppensteigen einmal starkes Herzklopfen bemerkte, prüft er mehrmals täglich seinen Puls. Obwohl eine ärztliche Untersuchung keinen bedenklichen Befund ergab, fragt er sich immer wieder, ob eine seltene Herzerkrankung übersehen worden sein könnte. Bei jedem Stolpern des Herzschlags wird ihm heiß, seine Brust fühlt sich eng an und er unterbricht, was er gerade tut. Recherchen im Internet und Gespräche mit seiner Partnerin beruhigen ihn zunächst, doch schon die nächste Körperempfindung lässt die Zweifel zurückkehren. Sport meidet er inzwischen, Besprechungen verlässt er gelegentlich unter einem Vorwand. Als er einen Wochenendausflug aus Angst vor fehlender medizinischer Hilfe absagt, merkt er, wie stark die Sorge sein Leben einschränkt, und beschließt, sich psychotherapeutisch beraten zu lassen.
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung – Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
Wie entsteht eine hypochondrische Störung?
Die hypochondrische Störung hat meist keine einzelne Ursache. Häufig wirken persönliche Anfälligkeit, Lernerfahrungen und gegenwärtige Belastungen zusammen; daraus lässt sich weder Schuld noch mangelnde Willenskraft ableiten. Bestimmte Denk- und Verhaltensmuster können die Angst später zusätzlich aufrechterhalten.
Der Kreislauf der Krankheitsangst
Eine Körperempfindung, eine Nachricht über Krankheiten oder eine Erinnerung kann als mögliche Gefahr gedeutet werden. Die Angst steigt, Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf den Körper und weitere Empfindungen fallen auf. Kontrollieren, Recherchieren, Rückversichern oder Vermeiden bringt häufig kurzfristige Erleichterung. Langfristig bleibt jedoch ungeprüft, ob die befürchtete Gefahr tatsächlich bestanden hätte, und die nächste Wahrnehmung kann den Kreislauf erneut anstoßen. Das kognitiv-verhaltensbezogene Modell der Krankheitsangst nach Warwick und Salkovskis beschreibt dieses Zusammenspiel aus bedrohlicher Deutung, fokussierter Aufmerksamkeit und Sicherheitsverhalten. Veränderung kann entstehen, wenn Deutungen gemeinsam überprüft, Unsicherheit schrittweise ausgehalten und bisherige Sicherheitsstrategien in einem tragbaren Rahmen verändert werden.
Selbsttest für Hypochondrie
Das deutschsprachig untersuchte "Short Health Anxiety Inventory" kann eine erste Einschätzung ermöglichen, wie stark Krankheitsängste, bedrohliche Deutungen und damit verbundene Belastungen ausgeprägt sind. Das Ergebnis ersetzt keine fachliche Diagnose.
Der Test ersetzt keine Diagnose – eine verlässliche Einschätzung ist nur im persönlichen Gespräch möglich.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Es gibt keinen „richtigen“ Schweregrad, ab dem man Unterstützung suchen darf. Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Unterstützung – Sie müssen damit nicht allein bleiben:
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
(rund um die Uhr, kostenfrei)
Krisendienst
www.berliner-krisendienst.de
im Notfall
Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
Zu Beginn werden körperliche Befunde, Krankheitsängste, bisherige Bewältigungsversuche und mögliche Begleiterkrankungen sorgfältig eingeordnet. Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie können anschließend ein individuelles Erklärungsmodell, die Überprüfung bedrohlicher Bewertungen, Aufmerksamkeitsübungen und geplante Verhaltensexperimente miteinander verbunden werden. Auswahl, Reihenfolge und Tempo werden gemeinsam festgelegt.
Ablauf
So läuft der Start ab
Ein klar strukturierter Prozess, der Orientierung und Sicherheit gibt.
FAQs
Häufige Fragen rund um das Themengebiet und die Therapie
Fachlich geprüft von
Nicolas Sander
Fachkundenachweis Verhaltenstherapie
Approbiert nach § 1 PsychThG
Psychologischer Psychotherapeut
Zuletzt geprüft 08.07.26
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