Das wichtigste auf einen Blick
Eine posttraumatische Belastungsstörung ist mehr als eine vorübergehende Belastungsreaktion und kann nach außergewöhnlich bedrohlichen Erlebnissen entstehen.
Typisch sind ungewolltes Wiedererleben, Vermeidung und anhaltendes Bedrohungsgefühl; Art und Stärke unterscheiden sich individuell.
Biologische, psychologische und soziale Faktoren wirken zusammen; Unterstützung ist bei anhaltendem Leid oder Einschränkungen sinnvoll.
Traumafokussierte Psychotherapie ist leitliniennah die erste Wahl und wird gemeinsam, schrittweise und im tragbaren Tempo gestaltet.
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Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?
Eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS, kann sich nach dem Erleben oder Miterleben außergewöhnlich bedrohlicher Ereignisse entwickeln. Kennzeichnend sind ein gegenwärtig wirkendes Wiedererleben, Vermeidung und ein anhaltendes Gefühl von Bedrohung. Belastende Erinnerungen nach einem Trauma sind zunächst normale Reaktionen und bedeuten nicht automatisch eine PTBS. Erst ihr Muster, Verlauf und ihre Auswirkungen ermöglichen eine fachliche Einordnung. Die folgenden Bereiche erläutern Abgrenzung, Bezeichnungen und Klassifikation. Eine PTBS kann psychotherapeutisch behandelt werden.
Abgrenzung und Schweregrade bei einer posttraumatischen Belastungsstörung
Nicht jede psychische Reaktion nach einem traumatischen Ereignis ist krankhaft. Viele Beschwerden klingen mit der Zeit ab; bei einer PTBS bleiben charakteristische Symptomgruppen bestehen und beeinträchtigen das Leben deutlich.
Synonyme und Bezeichnungen für die PTBS
Posttraumatische Belastungsstörung und PTBS sind die gebräuchlichen deutschen Bezeichnungen; international wird PTSD verwendet. Der folgende Überblick ordnet diese Begriffe sowie die eigenständig klassifizierte komplexe Form ein.
PTBS
Post-traumatic Stress Disorder
PTSD
Komplexe PTBS
Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS)
Codes und Klassifikation bei PTBS
Codes strukturieren die diagnostische Dokumentation. Ob eine PTBS, eine komplexe PTBS oder eine andere Traumafolge vorliegt, muss anhand des Ereignisses, des Symptommusters und des Verlaufs fachlich beurteilt werden.
ICD-10-GM:
F43.1
ICD-11:
6B40
ICD-11:
6B41
DSM-5:
309.81
Tritt häufig zusammen auf mit:
Depressive Störungen
Angststörungen
Störungen durch Alkohol- oder Substanzkonsum
Somatische Belastungsstörungen
Dissoziative Störungen
Auf einen Blick: Die Fakten
Nur ein Teil entwickelt eine PTBS
Das Erleben eines potenziell traumatischen Ereignisses führt nicht zwangsläufig zu einer psychischen Erkrankung.
Das Risiko hängt stark vom Ereignis ab
Art, Dauer und Häufigkeit der Belastung sowie frühere und nachfolgende Lebensbedingungen beeinflussen die beobachteten Prävalenzen.
Hohe Belastung bei Geflüchteten
Eine deutsche Leitlinienauswertung berichtet bei asylsuchenden und geflüchteten Menschen in Deutschland PTBS-Prävalenzen von 11,4 bis 46,5 %.
Begleiterkrankungen sind häufig
Depressionen, Angststörungen, somatische Belastung und substanzbezogene Störungen können gleichzeitig vorkommen.
Woran erkennt man eine posttraumatische Belastungsstörung?
Im Mittelpunkt stehen belastendes Wiedererleben, das Meiden traumaassoziierter innerer oder äußerer Auslöser und ein anhaltendes Gefühl von Gefahr. Das Erscheinungsbild ist individuell; einzelne Merkmale reichen nicht für eine Diagnose aus.
Im Denken
Im Fühlen
Im Verhalten und Körper
Wie sich eine posttraumatische Belastungsstörung anfühlen kann
Mara, 38, arbeitet als Projektkoordinatorin und wirkt auf Kolleginnen zuverlässig und gut organisiert. Seit einem schweren Verkehrsunfall fährt sie jedoch nur noch Umwege, um die Unfallstelle zu vermeiden, und sagt gemeinsame Ausflüge häufig kurzfristig ab. Ein quietschendes Bremsgeräusch genügt, damit Bilder auftauchen, ihr Herz rast und sie überzeugt ist, sofort reagieren zu müssen. Danach prüft sie mehrfach Nachrichten und Verkehrsmeldungen, um sich sicherer zu fühlen. Kurzfristig beruhigt sie das, doch ihr Bewegungsradius wird kleiner und sie schläft vor wichtigen Terminen kaum. Sie schämt sich, weil andere den Unfall scheinbar längst abgehakt haben, und versucht, niemanden zu belasten. Als ihre Schwester bemerkt, wie angespannt Mara bei einer Autofahrt ist, erzählt sie erstmals, wie gegenwärtig sich alles noch anfühlt. Gemeinsam überlegen sie, wo Mara sich fachliche Unterstützung holen kann.
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung – Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
Wie entsteht eine posttraumatische Belastungsstörung?
Eine PTBS hat meist keine einzelne Ursache. Ein extrem bedrohliches Erlebnis ist der notwendige Ausgangspunkt, doch biologische Anfälligkeit, frühere Erfahrungen, die Art der Belastung, Bewertungen und soziale Bedingungen beeinflussen gemeinsam, ob und wie Beschwerden entstehen. Das ist weder Schuld noch Willensschwäche.
Der Kreislauf des anhaltenden Bedrohungsgefühls
Nach einem Trauma können Erinnerungsreize ein Gefühl aktueller Bedrohung auslösen, obwohl das Ereignis vorbei ist. Alarmreaktionen wie starke Anspannung oder Rückerleben fördern Vermeidung und Schutzstrategien. Diese entlasten kurzfristig, verhindern aber mitunter neue Erfahrungen von Sicherheit und eine bessere zeitliche Einordnung der Erinnerung. Dadurch bleibt sie leicht auslösbar und der Kreislauf setzt sich fort. Das kognitive Modell von Ehlers und Clark beschreibt PTBS als Folge einer Verarbeitung, die ein ernstes gegenwärtiges Bedrohungsgefühl aufrechterhält. Veränderung kann möglich werden, wenn Erinnerungen behutsam eingeordnet, belastende Bedeutungen überprüft und vermeidende Strategien schrittweise verändert werden. Was davon sinnvoll ist, wird individuell und in einem tragbaren Rahmen geplant.
Selbsttest für posttraumatische Belastungsstörung
Ein validierter Fragebogen wie die deutschsprachige PCL-5 kann Hinweise auf die aktuelle Belastung geben und eine erste Orientierung unterstützen. Das Ergebnis ersetzt keine fachliche Diagnostik.
Der Test ersetzt keine Diagnose – eine verlässliche Einschätzung ist nur im persönlichen Gespräch möglich.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Es gibt keinen „richtigen“ Schweregrad, ab dem man Unterstützung suchen darf. Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Unterstützung – Sie müssen damit nicht allein bleiben:
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
(rund um die Uhr, kostenfrei)
Krisendienst
www.berliner-krisendienst.de
im Notfall
Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
Leitliniennah steht bei einer PTBS eine traumafokussierte Psychotherapie im Vordergrund. Dazu zählen wissenschaftlich untersuchte Verfahren, die Erinnerungen und ihre heutige Bedeutung gezielt bearbeiten, etwa traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie oder EMDR. Voraussetzungen, Reihenfolge und Tempo werden gemeinsam festgelegt; zusätzliche Beschwerden und die aktuelle Lebenssituation werden einbezogen.
Ablauf
So läuft der Start ab
Ein klar strukturierter Prozess, der Orientierung und Sicherheit gibt.
FAQs
Häufige Fragen rund um das Themengebiet und die Therapie
Fachlich geprüft von
Nicolas Sander
Fachkundenachweis Verhaltenstherapie
Approbiert nach § 1 PsychThG
Psychologischer Psychotherapeut
Zuletzt geprüft 08.07.26
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