Das wichtigste auf einen Blick
Somatoforme Störung bezeichnet anhaltende, belastende Körperbeschwerden und deren Wechselwirkungen mit Aufmerksamkeit, Gefühlen und Verhalten.
Die Beschwerden sind real und können Schmerzen, Erschöpfung, Verdauungsprobleme, Schwindel oder andere körperliche Empfindungen umfassen.
Meist wirken biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen; Unterstützung ist bei anhaltendem Leidensdruck oder Alltagseinschränkungen sinnvoll.
Psychotherapie kann helfen, den Beschwerdekreislauf zu verstehen, Aktivität zurückzugewinnen und einen hilfreichen Umgang mit Körpersignalen zu entwickeln.
Was möchten Sie wissen?
Übersicht
Symptome
Ursachen
Selbsttest
Wann hilfe suchen?
Behandlung
Ablauf und Kosten
FAQ
Was ist eine somatoforme Störung?
Eine somatoforme Störung ist eine ältere Sammelbezeichnung für anhaltende körperliche Beschwerden und gesundheitsbezogene Belastungen, die nicht hinreichend durch einen organischen Befund erklärt werden. Die Beschwerden sind real und können Alltag und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine fehlende oder unvollständige medizinische Erklärung bedeutet nicht, dass Symptome eingebildet sind. Neuere Klassifikationen beurteilen stärker die belastende Beschäftigung und den Umgang mit den Beschwerden. Die folgenden Bereiche erläutern die veränderten Begriffe und Systeme. Eine abgestimmte körperliche und psychotherapeutische Versorgung kann sinnvoll sein.
Abgrenzung und Schweregrade bei somatoformer Störung
Körperliche Beschwerden sind zunächst medizinisch ernst zu nehmen. Eine psychische Einordnung darf weder notwendige Diagnostik ersetzen noch allein daraus abgeleitet werden, dass bisher kein eindeutiger organischer Befund gefunden wurde.
Synonyme und Bezeichnungen für eine somatoforme Störung
Somatoforme Störung ist ein älterer Oberbegriff; neuere Systeme sprechen unter anderem von somatischer Belastungsstörung oder Bodily Distress Disorder. Der folgende Überblick erklärt die nur teilweise übereinstimmenden Bezeichnungen.
Somatisierungsstörung
Psychosomatische Beschwerden
Somatische Belastungsstörung
Bodily Distress Disorder
Funktionelle Körperbeschwerden
Codes und Klassifikation bei somatoformer Störung
Die Klassifikationen beruhen auf unterschiedlichen Konzepten.
ICD-10-GM:
F45.-
ICD-10-GM:
F45.0
ICD-10-GM:
F45.1
ICD-11:
6C20
DSM-5:
300.82
Tritt häufig zusammen auf mit:
Depressiven Störungen
Angststörungen
Panikstörung
Posttraumatischer Belastungsstörung
Substanzbezogenen Störungen
Auf einen Blick: Die Fakten
Beschwerden sind tatsächlich vorhanden
Eine psychische oder funktionelle Einordnung bedeutet nicht, dass körperliche Empfindungen erfunden oder willentlich erzeugt werden.
Organische und psychische Faktoren können zusammenwirken
Körperliche Erkrankungen können gleichzeitig bestehen und müssen je nach Symptomatik angemessen untersucht werden.
Konzepte haben sich verändert
Neuere Klassifikationen richten den Blick weniger auf „medizinisch unerklärt“ und stärker auf Belastung, Aufmerksamkeit und Beeinträchtigung.
Häufigkeiten sind schwer vergleichbar
Studien verwenden unterschiedliche Definitionen, Diagnoseinstrumente und Versorgungspopulationen; dadurch schwanken Häufigkeitsangaben erheblich.
Woran erkennt man eine somatoforme Störung?
m Mittelpunkt stehen anhaltende oder wiederkehrende körperliche Beschwerden, die erheblich belasten und mit intensiver Aufmerksamkeit, Sorgen oder einschränkenden Bewältigungsversuchen verbunden sein können. Welche Merkmale auftreten und wie stark sie den Alltag beeinflussen, ist individuell verschieden und erlaubt für sich genommen keine Diagnose.
Im Denken
Im Fühlen
Im Verhalten und Körper
Wie sich eine somatoforme Störung anfühlen kann
Miriam, 39, arbeitet in einer kleinen Steuerkanzlei und wirkt auf andere zuverlässig und gut organisiert. Seit Monaten erlebt sie wechselnde Bauchschmerzen, Herzklopfen und eine ausgeprägte Erschöpfung. Sobald sie eine neue Empfindung bemerkt, fragt sie sich, ob bei den bisherigen Untersuchungen etwas übersehen wurde. Die Sorge lässt ihren Körper noch angespannter wirken; zugleich fällt es ihr schwer, sich auf Gespräche oder Aufgaben zu konzentrieren. Sie liest abends medizinische Informationen, kontrolliert ihren Puls und sagt Verabredungen vorsichtshalber ab. Kurzzeitig fühlt sie sich dadurch sicherer, langfristig wird ihr Alltag jedoch immer enger. Spaziergänge vermeidet sie aus Angst vor Kreislaufproblemen, obwohl sie Bewegung früher mochte. Als ihre Schwester bemerkt, wie sehr Miriams Leben inzwischen von den Beschwerden bestimmt wird, spricht sie das behutsam an. Miriam erkennt, dass sie nicht nur eine weitere Untersuchung, sondern auch Unterstützung im Umgang mit der anhaltenden Belastung braucht.
Fiktives Beispiel zur Veranschaulichung – Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
Wie entsteht eine somatoforme Störung?
Somatoforme Störungen haben meist keine einzelne Ursache. Häufig wirken körperliche Anfälligkeiten, Lernerfahrungen, Belastungen und der persönliche Umgang mit Körpersignalen zusammen; das ist weder Schuld noch Willensschwäche. Einige Faktoren können die Entstehung begünstigen, während andere vor allem dazu beitragen, dass sich Beschwerden und Belastung verfestigen.
Der Teufelskreis aus Körperwahrnehmung, Sorge und Rückversicherung
Eine körperliche Empfindung kann bedrohlich bewertet werden: „Etwas stimmt nicht.“ Dadurch steigen Angst und Aufmerksamkeit, während Anspannung die Empfindung zusätzlich verstärken kann. Schonung, wiederholtes Kontrollieren oder Rückversicherung bringen häufig kurzfristige Entlastung. Langfristig fehlen jedoch korrigierende Erfahrungen, und die Aufmerksamkeit bleibt eng an den Körper gebunden – die nächste Empfindung wirkt dadurch erneut besonders bedeutsam. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Modelle beschreiben dieses Zusammenspiel als sich selbst aufrechterhaltenden Beschwerdekreislauf. Er lässt sich schrittweise verändern, etwa indem Bewertungen gemeinsam überprüft, Aufmerksamkeit flexibler gelenkt und vermiedene Aktivitäten in einem tragbaren Rahmen wiederaufgenommen werden.
Selbsttest für psychosomatische Probleme
Der "PHQ‑15 "ist ein untersuchter Fragebogen zur ersten Einschätzung der Belastung durch körperliche Beschwerden. Das Ergebnis kann Anhaltspunkte für ein fachliches Gespräch geben, ersetzt aber weder eine ärztliche Abklärung noch eine psychotherapeutische Diagnose.
Der Test ersetzt keine Diagnose – eine verlässliche Einschätzung ist nur im persönlichen Gespräch möglich.
Wann sollte man Hilfe suchen?
Es gibt keinen „richtigen“ Schweregrad, ab dem man Unterstützung suchen darf. Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, oder sich in einer akuten Krise befinden, holen Sie sich bitte sofort Unterstützung – Sie müssen damit nicht allein bleiben:
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
(rund um die Uhr, kostenfrei)
Krisendienst
www.berliner-krisendienst.de
im Notfall
Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
Zu Beginn werden körperliche Beschwerden, bisherige Befunde, Belastungen und Bewältigungsversuche gemeinsam eingeordnet. Darauf aufbauend können psychotherapeutische, ärztliche und gegebenenfalls körper- oder bewegungsbezogene Maßnahmen abgestimmt werden. Ziel ist nicht, Beschwerden als „nur psychisch“ umzudeuten, sondern Wechselwirkungen verständlich zu machen, Funktion und Lebensqualität zu fördern und einen flexibleren Umgang mit Körpersignalen zu entwickeln. Auswahl und Tempo werden gemeinsam festgelegt.
Ablauf
So läuft der Start ab
Ein klar strukturierter Prozess, der Orientierung und Sicherheit gibt.
FAQs
Häufige Fragen rund um das Themengebiet und die Therapie
Fachlich geprüft von
Nicolas Sander
Fachkundenachweis Verhaltenstherapie
Approbiert nach § 1 PsychThG
Psychologischer Psychotherapeut
Zuletzt geprüft 08.07.26
zum Profil →